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altDinge die kein Mensch braucht - Autoren am allerwenigsten!
Kopfschmerzen gehören definitiv dazu. Vor allem, wenn sie einen über mehrere Tage oder gar Wochen quälen. Z.B. die, die von Nebenhöhlenvereiterungen herrühren und sich gleichmäßig über wahlweise eine oder beide Gesichtshälften ausbreiten.
Sie verbrüdern sich dann auch gern noch mit Verspannungsschmerzen, weil man zur Kompensation des unangenehmen Druckes dazu neigt, seltsame Kopfhaltungen einzunehmen. Helfen tun die übrigens nie.

Bis gestern wusste ich gar nicht, dass sich mehrere Arten von Kopfschmerz verbünden können, um einen Leidenden so richtig fertig zu machen. Doch zur Krönung stellte sich dann auch noch eine Migräne inklusive Aura ein. Drei zu eins für's Kopfweh und Frau Autorin kapitulierte. 
Übrigens: Jeder, der es wagt, darüber zu lachen, wenn Frauen über Migräne klagen, hatte noch keine!!
Mich hat es jedenfalls zu der Erkenntnis gebracht, dass Vampire das Licht gar nicht meiden, weil sie in die Finsternis geboren wurden oder in der Sonne zu Staub zerfallen würden. Nein, die Ärmsten haben Migräne! Und zwar dauerhaft. Da meidet jeder freiwillig das Licht. Völlig verständlich. Ich seh die Blutsauger jetzt jedenfalls in völlig neuem Licht ... und hoffe, dass dieses keine Migräne auslöst. Weder bei denen, noch bei mir.

Heute ist es dank Antibiotika bereits ein wenig erträglicher, aber schon lauern neue Kopfschmerzgattungen auf mich. Die tun zwar nicht ganz so weh, beschäftigen mich dafür aber umso mehr. Sie ereilte mich beim Einkaufen.

In vielen Supermärkten stehen Boxen der "Tafeln für Deutschland". Das sind viereckige Kästen mit einer Klappe, wo jeder Kunde ein Produkt (oder gern auch mehrere) aus seinem Einkauf einwerfen kann, damit die Mitarbeiter der Tafeln diese dann abholen und an Bedürftige verteilen. Ich habe es mir angewöhnt, bei jedem Einkauf irgendein Produkt in meinen Wagen zu legen, das ich in diese Boxen werfen werde, bevor ich den Supermarkt verlasse.

Haben Sie diese Boxen schonmal gesehen? Nein? Wundert mich nicht. Irgendwie scheint die keiner zu sehen. Dabei sind die Dinger riesig, stehen meist im Kassenbereich, sind kaum zu übersehen. Und trotzdem bleiben sie leer. In all den Monaten, in denen ich dieses kleine Ritual nun zelebriere und mich dabei freue, jemand anderem damit eine Freude machen zu können, habe ich nur ein einziges Mal ein Produkt in diesem Kasten gesehen, das nicht von mir stammte. Es war eine Flasche Schaumbad. Ansonsten traf ich jedes Mal auf eine Box ohne Inhalt.
Da frage ich mich zwangsläufig: Warum?

Ich habe mich informiert, wann die Box gelehrt wird. Wäre ja möglich, dass ich ein Talent dafür besitze, immer dann einzukaufen, wenn die Boxen gerade geleert wurden. Aber das ist es nicht. Denn die Boxen werden einmal pro Woche am Samstag geleert. Jedenfalls in den Märkten, in denen ich nachgefragt habe. Was also ist sonst der Grund, dass ich sie nie prall gefüllt vorfinde? Haben die einen eingebauten Tarnfaktor, so dass die meisten Menschen sie nicht wahrnehmen? Oder ist die traurige Wahrheit tatsächlich, dass niemand sie sehen will? Oder noch trauriger: Dass sie niemand sehen KANN.

Mir kommt das Wort Paradigmen in den Sinn. Für diejenigen, die damit nichts anfangen können: Das sind Dinge, die wir täglich sehen, aber erst wahrnehmen, wenn wir sie selbst mal brauchen. Ansonsten blenden wir die einfach aus. Weil sie uns selbst keinen Nutzen bringen. Dabei vergessen wir leider, dass sie anderen Leuten durchaus nützlich sind, ja dass andere sogar davon abhängig sein könnten.

Jeder kann in die Situation kommen, dass das Geld für den simpelsten Lebensunterhalt knapp wird. Krankheit, Arbeitslosigkeit, Todesfall ... es gibt viele Gründe. Und dann ist man dankbar, dass es einen Ort wie die Tafeln gibt, wo man zumindest Essen bekommt. Und ein paar andere Kleinigkeiten, die man im täglichen Leben zu selbstverständlich nimmt, solange man sie stets problemlos zur Verfügung hat. Die man erst schätzen lernt, wenn man dankbar dafür sein muss, sie zu bekommen. Toilettenpapier, Zahnpasta, Duschgel, Waschmittel.
Es gibt so viele Sachen, die man in die Boxen hineinwerfen kann. Alles, was nicht schnell verdirbt. Und für jeden Einzelnen von uns sind das nur ein paar Euro je Einkauf. Das tut gar nicht weh.
Wir geben soviel Geld für Dinge aus, die wir nicht brauchen, die wir irgendwann wegwerfen. Hier geht es um Geld für Dinge, die gebraucht werden.

Welchen Nutzen das bringt? Nun, neben dem guten Gefühl, etwas für diejenigen getan zu haben, denen es nicht so gut geht, wie uns, hat es erstmal keinen. Jedenfalls bis zu dem Tag, wo diese Boxen für uns keine Paradigmen mehr sind. Darüber lohnt es vielleicht nachzudenken. Ich würde mich jedenfalls freuen, wenn ich bei meinem nächsten Einkauf die Klappe öffne und nicht das erste Produkt in die Tafel-Box werfe...

01. April 2011
Tanya Carpenter

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