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altIn der Kolumne "White Spirit" werde ich künftig über spirituelle Themen schreiben. Schamanismus, Religionen, Magie, Mystik und Mythologie. Ein Themengebiet, das viel breiter gefächert ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Den Anfang möchte ich mit dem magischen Jahreskreis früherer Zeiten machen.

Unsere Vorfahren haben lange vor den heutigen Weltreligionen ihre heiligen Feste nach dem natürlichen Jahreszyklus ausgerichtet. Im Einklang mit dem Mond, den Jahreszeiten und dem Kreislauf von Leben, Tod und Wiedergeburt (der sich auch in Saat und Ernte, im Fressen und Gefressen werden, den Baumtrieben im Frühling und dem bunten Laub im Herbst ausdrückt) haben sie den Göttinnen und Göttern gehuldigt und sowohl sie als auch sich selbst gefeiert.

Als kleine Einführung in diese heidnische Ur-Religion hier die wichtigsten Jahresfeste und welches Datum man ihnen heutzutage in etwa zuordnen kann.

 

Samhain
Am 11. Jahresneumond etwa um den 31. Oktober ist die Grenze zwischen der Welt der Lebenden und der Toten sehr dünn und es fällt den Kundigen besonders leicht, mit der Anderswelt zu kommunizieren.
Alle kennen heutzutage Halloween. Die wahre Bedeutung hingegen ist oft verloren gegangen.
Wir gedenken heute unserer Toten, unserer Vorfahnen und Ahnen. Wir gedenken unserer Freunde, die uns voraus gegangen sind. Und wir werden uns über unsere eigene Sterblichkeit bewusst.
Samhain ist auch der dunkle Pol des Jahresrades und somit das Gegenstück zu Beltain. Man feiert den Tod, die Stille, die Dunkelheit.

Jul

Die Wintersonnenwende am 21. Dezember ist die längste Nacht des Jahres und gleichzeitig die Rückkehr des Lichtes. Wir feiern diesen Tag mit köstlichen Juläpfeln und entzünden Kerzen, um die Finsternis zu vertreiben und dem Licht die Kraft  zu schenken, neu aufzuerstehen.
Sind wir damit erfolgreich, wird der nächste Tag länger als der vorangegangen sein.

Imbolc
Der 2. Jahresvollmond findet etwa um den 1. Februar statt. Es ist die Zeit der Erneuerung. Wir waschen uns symbolisch rein von allem Alten, von unseren Lasten und liebgewonnen Unarten. Wer den Mut dazu hat, springt in ein lebendes Gewässer - einen Bachlauf, einen Fluss, einen See - und vollzieht die symbolische Waschung auf ihre älteste Weise.
Es ist das erste Fruchtbarkeitsfest des neuen Jahres, an dem Feuer entzündet werden, um dem Licht zu huldigen.

Ostara
Die Frühlings-Tag- und Nachtgleiche am 21. März. Wir heißen die Frühlingsgöttin willkommen. Wie der Name richtig vermuten lässt, wurde Ostern von diesem heidnischen Fest abgeleitet. Auch Ostara gedenkt der Fruchtbarkeit. Die Eier sind zum Beispiel ein Symbol dafür. Ebenso wie der Hase.

Beltain
Der 5. Jahresvollmond, etwa um den 30. April, wird traditionell lustvoll gefeiert. Der Frühling hat nun endgültig Einzug gehalten und das Leben kehrt zurück. Dies sehen wir in der Tierwelt. Auch die Felder wurden in früheren Zeiten durch die Beltain-Riten fruchtbar gemacht, indem sich die Menschen, symbolisch für die Göttin und ihren Gefährten, auf den Feldern und Wiesen vereinten. Man feiert den endgültigen Sieg von Licht und Wärme über die Dunkelheit und kälte des Winters. Große Feuer wurden entzündet und die Menschen feierten ausgelassen.
Heutzutage kennen wir Beltain eher als Walpurgisnacht und bringen sie dadurch mit den Hexen auf dem Blocksberg in Verbindung. Die Feiern zum 1. Mai sind immer noch zahme Überbleibsel des früheren Festes.

Litha
Die Sommersonnenwende datiert auf den 21. Juni. Der längste Tag und die kürzeste Nacht. Es lohnt sich, bis zum morgen an den großen Feuern zu wachen und seine Sinne zu öffnen für das, was uns die Geister zu sagen haben.
Wir huldigen der Sommergöttin und bitten sie um Schutz und Kraft. Möge ihre Wärme und Beständigkeit das Korn reifen lassen. Kräuter, die wir an diesem Tag sammeln, sind besonders wirksam.

Lughnasadh
Der 8. Jahresvollmond findet etwa um den 31. Juli statt.
Die Erntezeit beginnt und wir danken den Göttinnen und Göttern für einen guten Ertrag. In früheren Zeiten wurden Brote gebacken, geweiht und dann gemeinsam verzehrt. Wir sind uns bewusst, dass der Getreidegott uns mit seinem Tod Leben schenkt.

Mabon
Die Herbst-Tag- und Nachtgleiche findet am 23. September statt. Das Jahr neigt sich seinem Ende zu. Wir haben gesät, wir haben geerntet. Nun wird es still und dunkel. Der Jahreskreis wird sich bald schließen um neu zu beginnen. Leben und Tod sind eins.

Es ist nicht zu übersehen, dass die Jahresfeste vor allem zwei Dinge zum Ziel hatten. Den Erhalt der Gemeinschaft, indem man sich regelmäßig zusammen fand. Und das Bewusstsein über die natürlichen Zyklen und Abläufe, was auch den Respekt vor selbigem mit sich brachte. Respekt vor dem Leben, aber auch vor dem Tod. Etwas stirbt, damit etwas anderes leben kann. Die Zeit der Stille ist wichtig, um zu ruhen und neue Kraft zu schöpfen. Die Zeit der Freude ist wichtig, um neues Leben zu zeugen und zu gebären. All dies im Einklang mit der Natur - und somit auch mit uns selbst.

Tanya Carpenter
März 2013

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