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altDie Vehemenz, mit der eingefleischte Fütterungsexperten unterschiedlicher Gesinnung aufeinander losgehen, hat mich zuweilen zutiefst erschreckt und die Frage aufgeworfen, wie sich ein Laie – respektive Hunde-Neuling – noch zurechtfinden soll, ohne zwangsläufig in einen Gewissenskonflikt zu geraten, sobald er anfängt, andere Hundehalter um Rat oder auch nur deren Meinung zu fragen.

Wie soll man mit gutem Gewissen seinen Hund füttern, wenn man zu jeder Fütterungsart gleich einen ganzen Haufen an Schreckensszenarien mitgeliefert bekommt, was man seinem Liebling damit alles antun kann? Und selbstverständlich auch den Umkehrschluss, was dem Hund logischerweise fehlen muss, wenn man diese oder jene Hundeernährung eben gerade wegen der potentiellen Gefahren nicht anwenden.



Hundeernährung wird zur Wissenschaft, wird zu einer Alchemie, in der schon ein Gramm zuviel von Jenem oder zuwenig von Diesem fatale Folgen haben kann.  Jeder, der glaubt, DIE ULTIMATIVE Fütterungsart für sich und seinen Hund entdeckt zu haben, meint sofort, alle anderen – vermeintlich Unwissenden – mit seiner Fachkenntnis und mühsam erworbenen Kompetenz bevormunden zu müssen. Mit erhobenem Zeigefinger Verantwortung dafür zu tragen, dass nur ja keine andere Methode der Hundeernährung mehr angewandt wird, da selbstverständlich alles andere regelrecht an Tierquälerei, wenn nicht gar an schleichenden Mord grenzt. Und mit den vielen Ratgebern zum Thema Hundefütterung ist es leider nicht anders. Meist wird nur ganz gezielt eine Methode begutachtet und diese natürlich auch allen anderen gegenüber hervorgehoben.
                                                                                             
Betrachte ich mir die Historie der domestizierten Hundehaltung und die Anpassungsfähigkeit der wilden Vorfahren unserer heutigen Rassehunde, komme ich jedoch zu der Erkenntnis, dass dies alles ein ziemlicher Schmarrn sein muss. Sonst wären Hunde in früheren Zeiten kaum älter als zwei oder drei Jahre geworden. Ganz zu schweigen von Fuchs, Wolf, Kojote und Co., bei denen jeder Überlebenstag einem wahren Wunder gleicht, wo ihnen doch die existentielle Basis moderner Hundeernährung mitsamt Dutzender Nahrungsergänzungen und spezieller Wellness-Diäten fehlt.

Kurzum: Nein, Hundefütterung ist keine Wissenschaft, auch wenn gewitzte Geschäftsleute heutzutage gerne versuchen, eine regelrechte Alchemie aus der Zusammensetzung von Bellos Mahlzeit zu machen. Mit ein bisschen gesundem Menschenverstand jedoch kann jeder seinen Hund sinnvoll ernähren. Manchmal lohnt es sich, einfach auf sein Bauchgefühl zu hören - oder auf das seines Hundes.

Tanya Carpenter
März 2013

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