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Der Ton, mit dem die Klingen aufeinandertrafen, ließ das Glas der hohen Kuppel über ihnen erzittern, bis es erste Risse bekam. Er brach sich an den Wänden, vermischte sich mit ihrem Keuchen zu einer unheimlichen Melodie, die schmerzhaft in seinen Ohren verhallte.

Sein Gegner und er führten die Klingen mit unmenschlicher Kraft, sodass bei jedem Aufeinandertreffen Funken stoben. Die Schockwellen pflanzten sich von den Waffen in seinen Körper fort, erschütterten sein Innerstes, zerrten an den Eingeweiden. Obwohl er als Killer des Vatikans bekannt war und trotz seines Wissens um die Natur seines Gegners, überraschte ihn die Wucht seiner Schläge. Das gebrechliche Äußere des vermeintlich siebzigjährigen José San Diago war nur Fassade. In einer Hülle aus faltiger Haut steckte noch immer der Geist eines jungen, entschlossenen Kriegers.

Sie kämpften beide nicht zum ersten Mal. Er, ein Saint – ein ausgebildeter Elitekiller des Vatikans; San Diago, Professor der Biochemie, Sammler antiker Waffen und Inhaber des San Diago-Pharma-Konzerns. Sie hatten schon viele Kämpfe dieser Art ausgetragen, darum war wohl auch seinem Gegner klar, dass einer von ihnen zum letzten Mal focht.

Weiterlesen: Leseprobe "Das Ikarus-Evangelium"

alt

Das Schloss Desmodia machte einen eher baufälligen Eindruck und hatte seine Glanzzeit längst hinter sich. Matthew Donahue hoffte, dass zumindest das Dach dicht wäre und nicht der Regen, der seit dem Morgen in Strömen vom Himmel floss, hindurchtropfte.

Die Kutsche, die ihn hergebracht hatte, fuhr rumpelnd wieder an und wäre ihm beinah über die Füße gefahren, wenn er nicht einen Satz zur Seite gemacht hätte. Matschflecken spritzten auf seine blaue Hose. Unmöglicher Kerl, dieser Kutscher. Bis vors Tor und nicht weiter, hatte er gesagt. Keinen Fuß würde er auf das Anwesen setzen. Er nicht und auch keins seiner Pferde. Abergläubischer Tölpel. Das Knallen der Peitsche zerriss zeitgleich mit einem Blitz die Stille der Nacht. Das folgende Donnergrollen schien nicht aus den Wolken, sondern aus den vor ihm aufragenden Mauern zu kommen.
Matthew bekam eine Gänsehaut. Aber er war schließlich ein gebildeter Mann und ließ sich nicht von dieser schauerlichen Stimmung, die das Schloss der Gräfin von Desmodia umgab, erschrecken. Entschlossen nahm er seinen kleinen Koffer und stapfte Richtung Eingangstor. Der Regen hatte den Weg in einen regelrechten Sumpf verwandelt. In seinen schwarzen Schuhen stand das Wasser, sie waren für dieses Wetter ebenso ungeeignet, wie der leichte Reisemantel. Eine große, altertümliche Glocke hing neben den Türflügeln. Der Glockenstrang erinnerte unangenehm an einen Henkersstrick.

Weiterlesen: Leseprobe "DESMODIA" aus der Anthologie "DARK LADIES"

altAls sie wieder Herrin ihrer Sinne war, stand Rebekka auf einem hölzernen Podest in einem beinah leeren Raum. Nur ein großer Granittisch vor ihr mit allerhand Akten darauf erfüllte den Zweck eines Mobiliars. Sie wünschte sich inständig, dass man ihr wenigstens einen Stuhl gegeben hätte. Allmählich bekam sie Krampfadern vom langen Stehen. Wie lange stand sie überhaupt schon hier? Dabei war sie es in ihrem Job gewohnt, dauerhaft auf den Beinen zu sein. Immerhin gehörte ihr die Boutique „Beckys Schuh“, worauf sie sehr stolz war. Gänzlich selbst finanziert, renoviert und dekoriert. Nach sieben Jahren Anstellung in unterschiedlichen Schuhgeschäften jeglicher Klientel fühlte sie sich zurecht als Frau von Welt, was das modische Accessoire der Füße anging. Sie wusste, was sich Damen heutzutage wünschten. Ob Pumps, Slipper, Ballerina, Sandale oder Stiefel, ihre Kundinnen verließen sich auf ihr Gespür und ihren Geschmack, bei der Auswahl der passenden Fußbekleidung. Innerhalb weniger Wochen hatte sich ihr kleiner Traum zum gefragtesten Schuh-Shop der City entwickelt. Von einfachen Hausfrauen bis hin zu kleinen Starletts oder Damen der feinen Gesellschaft kamen sie alle zu ihr, um sich über den neuesten Trend Münchens zu informieren. Die Krönung war gestern schließlich die Lieferung der Louis Vuitton-Schuhe gewesen. Das tröstete sie sogar über ihre gescheiterte Beziehung zu Herbert hinweg. Schuhe waren für eine Frau einfach das beste Trostpflaster. Sie gingen mit einem durch Dick und Dünn, durch Sonne und Regen. Sie waren treu und hielten, was sie versprachen. Trugen einen zwar nicht auf Händen, aber dafür immerhin überall hin, wo man wollte.

Weiterlesen: Leseprobe "Mit Schuh, Charme und Biss"

Prolog

Der Klang der sich schließenden Tür ließ Isobel zusammenzucken. Als sie sich umdrehte, stand Cyprus vor ihr. Ihr künftiger Schwager, Jareds Bruder und gleichzeitig der Mann, mit dem sie seit Monaten eine Affäre hatte.

Sein Lächeln jagte Isobel einen Schauder über den Rücken – sie wusste selbst nicht, ob erwartungsvoll oder vor Angst.

Cyprus verkörperte den Typ Mann, dem die meisten Frauen allzu leicht verfielen, obwohl sie ihn gleichzeitig fürchteten. Charismatisch, sexy - mit seinen langen dunklen Haaren, den samtbraunen Augen, die mal unschuldig, mal verrucht dreinschauten und einem durchtrainierten, muskulösen Körper. Seine Lippen besaßen einen wundervollen Amorbogen und waren samtig weich. Meist von einem lässigen Dreitagebart umrahmt. Cyprus war intelligent, belesen, sehr charmant, dabei aber auch ausgesprochen dominant und lüstern. Er war mehr als einfach nur der vielbesagte Bad Boy. Diese Bezeichnung wäre ihm nicht gerecht geworden. Er war einer von der Sorte, die hinter jede Fassade blickten, die dunkelsten Geheimnisse und Sehnsüchte einer Frau ergründeten und sie dazu verführten, diese auch auszuleben, egal wie moralisch verwerflich sie auch sein mochten. Für ihn gab es keine Skrupel und keine Tabus. Genau das machte Cyprus aus – und den Reiz, sich auf ihn einzulassen.

Weiterlesen: Leseprobe "Seduction: Verführt"

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