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altDas Gesicht blieb regungslos. Wie jedes Mal. Ihr schlug das Herz bis zum Hals, während die starre Maske aus Gold immer näher kam, in deren Mitte zwei Augen so hell glühten wie zwei Sonnen. Das laute Ticken im Gleichtakt mit ihrem Puls lenkte ihren Blick auf die nostalgische Uhr ohne Zeiger im Hintergrund. Symbol einer abgelaufenen Zeit. Ihrer?
Am Himmel über ihr explodierte eine Milchstraße – eine Galaxie! Ein strahlender Ort der Hoffnung für ein neues Leben verhieß. Wenn sie dort hingelangen konnte. Wimmernd streckte sie die Hand danach aus, doch die Maske stellte sich zwischen sie und die verheißungsvolle Welt in den Weiten des Alls. Eigentlich war sie schön, diese starre Mimik. Fast noch schöner, als der grandiose Anblick einer Sternengeburt. Sie erinnerte an venezianische Masken, wenn nur diese brennenden, stechenden Augen nicht wären. Und das kalte Gefühl, wenn eine dunkle Stimme sprach: „Noch nicht, aber bald!“ Das Schloss schnappte zu, es klang wie ein Schafott, das herabsaust. Verriegelte den Zugang, zu ihrem Traum, ihrer Rettung. Es hing an einer Kette, um den Hals des Maskenträgers. Um den Schlüssel zu erhalten musste sie ... 

 

Amanda schreckte hoch. Ihr war speiübel, der Körper schweißüberströmt und glühend. In ihrem Kopf drehte sich alles. Die Decke glitt von ihr herunter, aber auch die Luft brachte keine Kühlung für ihre erhitzte Haut. Sie stand auf, schwankte, schleppte sich ins Badezimmer. Ihre Hand umfasste den Griff des Wasserhahns. Sie wollte sich so gern Wasser ins Gesicht spritzen, um wieder einen klaren Kopf zu bekommen, diese Träume zu verjagen, den Schwindel und das Gefühl drückender Schwüle loszuwerden, das ununterbrochen auf allem und jedem lastete, seit es passiert war. Aber der Wunsch war zwecklos. Sie blickte zurück in ihr Schlafzimmer, die Uhr zeigte halb sieben. Es dauerte noch über eine Stunde bis sie die Schleusen des Reservoires öffneten. Und selbst dann war es eine unverzeihliche Verschwendung, sich das kostbare Nass nur ins Gesicht zu spritzen. Wasser war wertvoller als Gold in diesen Tagen, denn die trinkbaren Reserven schwanden rapide.
Seufzend ließ sie ihre Finger von der Armatur gleiten und rieb sich über die müden Augen. Ein Liter pro Erwachsenem, einen halben pro Kind. So war die Tagesration. Mehr trinkbares Wasser floss nicht durch die Leitungen. Ein Computer steuerte die Zufuhr exakt. Noch bekam Amanda anderthalb Liter täglich. Weil sie schwieg. Seit vier Wochen schon. Auf dem Weg zurück zum Bett zwang sie sich, nicht auf die Truhe im Flur zu sehen, in der Tobys Leiche langsam vor sich hin weste. Sie hatte alle Schlitze mit Klebeband umwickelt und noch drang kein süßlicher Geruch nach draußen. Trotzdem erwartete sie mit ängstlichem Herzen täglich die Kontrolle. Wann würde es jemandem auffallen? Wann wurden die Nachbarn misstrauisch? Wenn herauskam, dass sie Tobys Tod verschwiegen hatte, um einen halben Liter Wasser am Tag mehr zur Verfügung zu haben, würde man sie bestrafen. Die Nachbarn würden sie hassen, obwohl keiner von ihnen in dieser Situation anders gehandelt hätte. Gottverdammt, kein Erwachsener konnte auf Dauer mit einem Liter Wasser leben. Und ein Kind erst recht nicht mit der Hälfte. Schon gar nicht bei den schwülen Temperaturen dort draußen. Sie hatte soviel von ihrer eigenen Ration abgespart, damit Toby genug zu trinken hatte, doch als er krank wurde und Fieber bekam, war es einfach nicht genug gewesen. Und nun trank sie seine Ration mit, bestahl ihr eigenes Kind – ihr totes Kind.
Sie hätte es sofort melden müssen. Dann wäre seine Leiche abgeholt und ihre Wasserration reduziert worden. So hatte sie ihn noch immer bei sich, sagte ihm leise Gute Nacht, wenn sie zu Bett ging und trank die Ration, die für ihn jeden Tag durch die Leitungen geschickt wurde. Welch grausamer Irrsinn. Amanda schloss für einen Moment die Augen, atmete tief durch. Es ging nicht anders. Sie wollte überleben. So lange, bis sich ihrer aller Hoffnung vielleicht erfüllte. Daran arbeitete sie im Institut jeden Tag.
Sie wusste, dass schon andere einen solchen Betrug begangen hatten. Den Toten schadete es nicht mehr und jeder musste sehen, wo er blieb. Wenn man eine Weile seine Wasserration erhöhen konnte, war niemand mehr zimperlich.
Welcher Idiot hatte nur geglaubt, die Weltherrschaft wäre ein paar Opfer wert? Das konnte keiner mehr sagen. Irgendwer hatte die Bomben losgeschickt und ein anderer darauf geantwortet. Ein Dritter sich eingemischt, gefolgt von einem Vierten und so weiter. Bis zu dem Tag wusste niemand, wie viele Atomraketen es tatsächlich auf der Erde gab und wer sie besaß. Jetzt wussten sie es alle – die, die noch am Leben waren. Doch es nutzte ihnen nichts mehr. Sie alle waren Gefangene auf einem winzigen Flecken unverseuchter Erde mit einem noch kleineren Flecken unverseuchtem Wasser und hofften, dass ihr Hilferuf ins Weltall von irgendwelchen intelligenten Wesen gehört wurde, die dann nichts Besseres zu tun hatten, als ihnen aus der Scheiße zu helfen. Amanda konnte ein bitteres Lachen nicht unterdrücken. Wenn sie eins dieser Wesen wäre, würde sie diesem Haufen hier nicht helfen. Und trotzdem hoffte auch sie. 

Zwei Stunde später betrat sie das Institut. Mechanisch begrüßte sie einige Kollegen im Vorbeigehen, nickte dem Wachoffizier zu. Dr. Evan Spring, der einzige Mensch, den sie halbwegs als Freund bezeichnete, auch wenn er genau genommen ihr Boss war, reihte sich neben ihr ein, hielt ihr die Kladde mit den neuesten Ergebnissen und Messungen hin, während er leise flüsterte: „Hast du schon gehört? Sie haben schon wieder einen geschnappt.“
Sie schluckte hart. Wieder jemand, der die Wasserration eines verstorbenen Familienmitgliedes für sich genommen und den Tod nicht gemeldet hatte. Genau das, was sie auch tat.
„Weißt du wer es ist, Evan?“
„Einer aus der Fabrik. Sie sagen, er hat seine Frau sogar selbst umgebracht.“
Amanda wusste, dass diese Vermutung richtig war. Um zu überleben wurde selbst der ehrbarste Mensch zum Betrüger oder gar Mörder.
„Sie haben ihn schon ins Sanatorium gebracht. Denke, für den sind alle Sorgen passé.“
Ihr würde dieses Schicksal nicht drohen, wenn sie aufflog. Im Sanatorium erhielten die „Patienten“ eine Sonderbehandlung. Einen reichhaltigen Cocktail von der Art, die dich nie wieder erwachen lässt. Mit einem aus der Fabrik konnte man das tun. Die waren alle entbehrlich. Flaschen für die künstlichen Essensrationen in die Anlage zu schieben war eine Aufgabe, die jeder übernehmen konnte. Vermutlich stand jetzt schon ein anderer an der frei gewordenen Stelle.
Bei ihr lag die Sache anders. Sie arbeitete am Rettungsprojekt und war eine der fähigsten Computer- und Kommunikationsspezialistinnen. Ihr Wissen war unersetzbar, also fiel die Todesspritze für sie weg. Aber man würde sie in eine Zelle sperren, wenn jemand Tobys Leiche fand, und jede Bewegung künftig genauestens kontrollieren. Davor fürchtete sie sich noch mehr als vorm Sterben.
„Was macht denn unser ‚Radio Hope’?“, fragte sie, um vom Thema abzulenken.
Evan grinste und wies mit dem Kinn auf die Papiere, die Amanda durchblätterte.
„Nur was da drin steht. Also genau genommen nichts.“
Sie waren beim Labor angekommen, Evan hielt ihr die Tür auf. Mit einem Seufzer ließ sich Amanda auf ihren Stuhl fallen und rief die aktuellen Daten ab, die ihre Weltraumsonde beständig zur Erde funkte. Die Zeit lief ihnen davon. Wenn nicht bald etwas gefunden, eine Antwort aus den weiten Sphären des Alls empfangen wurde, mussten sie sterben. Sie schob den Online-Regler weiter hoch, der die akustischen Signale steuerte, setzte ihre Kopfhörer auf und begann an den Filtern zu justieren, um ein sauberes Klangbild zu empfangen. Je weiter die Sonde von der Erde forttrieb, umso schwieriger wurde das.
Plötzlich durchzuckte es sie wie ein Stromschlag. Unter das monotone Summen des Sondenantriebs mischten sich andere Töne. Keine Worte, aber das war auch eher unwahrscheinlich. Warum sollten Aliens ausgerechnet eine gängige Erdensprache verwenden? Trotzdem bestand kein Zweifel, dass es sich diesmal nicht um Störfrequenzen handelte.
Evan bemerkte ihren angespannten Gesichtsausdruck und hob fragend die Augenbrauen. Sie legte den Zeigefinger an die Lippen, obwohl die Kopfhörer ohnehin alles abschirmten. Wortlos setze Evan das zweite Headset auf. Amandas erwartungsvoller Blick wurde jedoch enttäuscht, denn er zuckte gleich darauf mit den Schultern und schüttelte den Kopf.
Fassungslos schob sie den Lautstärkeregler vor. Das konnte nicht sein. Er musste es doch ebenfalls hören! Die Töne formten sich immer deutlicher hervor, glichen fast Worten in einer fremden, unverständlichen Sprache. Aber Evan zeigte weiterhin nur Ratlosigkeit, während sich in Amands Ohren eine Stimme herauskristallisierte, die ihr erschreckend vertraut war, erklang sie doch jede Nacht in ihren Träumen, wenn dieses Wesen mit der goldenen Maske auftauchte.
Eine Bewegung auf dem Bildschirm, lenkte ihre Aufmerksamkeit ab. Von oben nach unten verlaufende Wellen, deren Bögen sich permanent veränderten, passend zum Klangmuster. Sie begann, die Daten auszulesen, in die das Signal entschlüsselt wurde. Dazu streifte sie die Kopfhörer ab und schaltete stattdessen die Lautsprecher online.
„Was tust du denn da?“, fragte Evan und legte ihr behutsam die Hand auf die Schulter.
„Erzähl mir nicht, dass du davon nichts mitbekommst! Die Töne und Wellen … hier – die Daten!“ Sie hielt ihm das ausgedruckte Protokoll hin, war wie im Fieber.
„Amanda! Geht es dir nicht gut?“ Er klang besorgt, wollte nach ihrer Hand greifen, doch sie schlug seine beiseite. Ein weiteres Mal betätigte sie die Taste für den Protokollausdruck, übertrug merkwürdige Zeichen auf ihren Block, die sie selbst nicht verstand. Ihr wurde bewusst, dass ein Teil dessen, was sie hier tat, völlig intuitiv geschah. Ihre Finger hatten einen eigenen Willen, übertrugen auf Papier, was in ihren Geist eingespeist wurde. Nahm sie die Funkwellen selbst auf?
Amanda spürte kühle Hände auf ihrer Stirn, Evans Hände. Gleich darauf zog etwas an ihren Schultern, wollte sie fortbringen vom Monitor, fort von den Daten. Der Bildschirm flackerte wieder, die Wellen wurden breiter, dehnten sich über die ganze Fläche aus, ließen für Sekundenbruchteile ein Bild aufleuchten. Sie blinzelte. War es Einbildung? Da geschah es erneut, diesmal länger. Der Stift entglitt ihrer Hand. Das Gesicht. Die goldene Maske. Sie wagte nicht länger zu atmen und indem sie den Atem anhielt, blieb auch das Bild stehen. Da war es, ganz deutlich. Das Wesen aus ihrem Traum. Sie hob den Blick zu einem Meer aus Sternenstaub. Amandas Herz setzte einen Schlag aus. Die Geburt einer Galaxie. Ein Geräusch, wie brechende Knochen, ließ sie zusammenzucken. Ihre Augen glitten tiefer, zu dem Schloss an der Kette. Es öffnete sich leicht. Die Lippen bewegten sich quälend langsam, die Worte hingegen drangen laut und deutlich an ihr Ohr: „Jetzt ist es fast soweit.“
Amanda wurde schwarz vor Augen, mit zuckenden Gliedern sank sie zu Boden. Erlitt sie einen epileptischen Anfall? Rührten daher auch die Träume, die Vision gerade eben? Ein Hirntumor vielleicht?
„Ich bringe dich nach Hause“, sagte Evan und hob sie hoch. Amanda fühlte sich schwach. Sie wusste, es durfte niemand in ihre Wohnung. Sie würden die Kiste entdecken, würden sich wundern, wo Toby war. Aber da saß sie schon in Evans Auto und das monotone Surren des Motors schläferte sie ein. 

Als Amanda die Augen öffnete, war Dr. Spring das Erste, was sie sah.
„Evan!“
Er lächelte sie zärtlich an und streichelte ihr übers Haar. Hektisch blickte sie sich um. Allem Anschein nach hatte er die Nacht hier verbracht. Auf dem Sessel, neben ihrem Bett. Das hieß, er ...
„Toby ist ...“ Er schüttelte den Kopf, ehe sie weitersprechen konnte. Amanda biss sich auf die Lippen, kämpfte mühsam Angst und Tränen nieder.
„Hier!“ Evan hielt ihr ein Glas Wasser hin. Als sie hastig ablehnte, nahm er ihre Hand und drückte es entschieden hinein. „Trink! Du brauchst das. Es ist von meiner Ration. Ich habe sie bis auf weiteres hierher umleiten lassen. Habe denen gesagt, dass ich mich um dich und Toby kümmern muss, weil es dir nicht gut geht. Du kennst meinen Status, da stellen die keine Fragen.“
Ihr traten Tränen in die Augen. Ein Gefühl der Dankbarkeit durchströmte sie und schnürte ihre Kehle zu. „Heißt das, du hast denen nichts gesagt?“
„Nein. Ich verstehe dich, hätte wohl kaum anders gehandelt. Keiner von uns. Es tut mir sehr leid, Amanda. Willst du mir erzählen, was passiert ist?“
Seit Wochen trug sie diese schwere Last ganz allein. Es tat so gut, sie sich von der Seele zu reden. Darum erzählte sie Evan alles. Von dem plötzlichen Fieber. Dass sie Toby nicht ins Krankenhaus hatte bringen wollen, weil seit den Bomben und der Wasserknappheit kaum einer dort überlebte. Wer krank wurde, war entbehrlich. Das vergrößerte die Chancen der anderen.
„Ich hatte noch Aspirin, das hab ich ihm gegeben und gehofft, er würde es schaffen. Aber mit jedem Tag wurde er schwächer, egal was ich tat.“
„Und du bist trotzdem jeden Tag zur Arbeit gekommen. Das muss schwer gewesen sein.“
„Was hätte ich tun sollen? Es wäre sonst aufgefallen und dann hätte man ihn mitgenommen.“
„Du hast ihm deine Wasserration gegeben, nicht wahr?“
„Soviel ich entbehren konnte. Weil das Fieber ihn ausgezehrt hat. Es war einfach nicht genug.“
Er nickte, sagte aber nichts mehr dazu. Sie sah ihm dennoch an, dass er ihren Anfall darauf zurückführte.
„Wir sollten ihn fortbringen.“ Evan deutete auf die Kiste.
„Wohin? Sobald ich ihn aus dieser Wohnung bringe, gibt es keinen Ort mehr, wo man ihn nicht findet. Du weißt, was die dann mit mir machen.“
„Es gibt einen Ort“, erwiderte Evan und sah sie eindringlich an. Erst begriff sie nicht, dann wurde ihr klar, was er meinte. Der Hochofen, wo mittels Verbrennung des Abfalls die gesamte Energie erzeugt wurde, die ihnen derzeit zur Verfügung stand.
„Das ist nicht dein Ernst.“
„Es ist der einzige Weg.“
Man sah ihm an, dass auch er den Gedanken nicht mochte, einen kleinen toten Jungen in eine Verbrennungsanlage zu werfen und wie Abfall zu entsorgen, doch es würde ihnen Zeit verschaffen. Während Amanda dieser Gedanke durch den Kopf schoss, wurde ihr klar, dass sie jetzt nicht mehr allein war. 

Gemeinsam trugen sie die Truhe nach Einbruch der Dunkelheit in Evans Auto. Amanda schlug das Herz bis zum Hals, während sie über staubige Straßen zur Verbrennungsanlage fuhren. Drei Kontrollen mussten sie passieren, doch mit Evans Ausweis gelang das ohne Probleme. Dem stellvertretenden Institutsleiter schenkte man vollstes Vertrauen.
Als sie auf dem Hügel ankamen und Evan die Tür aufschloss hinter der sich der Ofen verbarg, wurde Amanda seltsam zumute. Sie gab Toby auf. Er war seit Wochen tot, aber immer bei ihr gewesen. Jetzt ließ sie ihn ziehen und startete gleichzeitig einen Neubeginn mit Evan. Sie löste sich nicht nur von ihrem Kind, sondern auch von Tobys Vater, der beim ersten Bombenhagel gestorben war. War das fair? Hatte sie ein Recht dazu? Auf der anderen Seite – niemand konnte die Zeit zurückdrehen. Nicht nur die Uhr in ihren Träumen hatte keine Zeiger mehr.
„Leb wohl, mein Baby“, flüsterte sie mit tränenerstickter Stimme, als sich die Klappe des Hochofens wieder schloss. Bis die nächsten Transporter mit Verbrennungsmaterial kamen, würde man von der Truhe und dem menschlichen Körper schon nichts mehr sehen.
Evan nahm sie ihn den Arm und gemeinsam gingen sie wieder nach draußen. Über ihnen erstrahlte der Himmel mit einem Mal in einem seltsamen, überirdischen Licht. Rot und Gold. Evan drückte ihre Hand, sein Lächeln machte ihr Mut. Einzelne Sternschnuppen fielen herab, ein atemberaubendes Schauspiel. Doch dann veränderte sich die Luft um sie herum. Vibrierte, verdichtete sich. Klänge, ähnlich denen, die sie im Institut vernommen hatte, erfüllten die Nacht, und diesmal hörte Evan sie auch, denn er blickte sich verwirrt um. Amanda lief ein Schauer über den Rücken, denn in ihr stieg eine merkwürdige Ahnung auf, die gleich darauf von einer vertrauten Stimme bestätigt wurde.
„Es ist soweit.“
Beide wirbelten herum. Vor ihnen stand ein menschenähnliches Wesen in dunkelrotem Gewand mit einer goldenen Maske im Gesicht. Seine Augen glühten wie Supernovas. Es hob die Hand und deutete in den Himmel hinauf. Amanda entfuhr ein Keuchen und auch Evan gab einen Laut der Verblüffung von sich. Eine Sternengeburt.
Das Wesen sprach weiter und lenkte ihre Aufmerksamkeit damit wieder auf sich zurück. „Eine neue Welt. Das, worum ihr gebeten habt, als ihr eure Maschine zu uns schicktet. Aber wir gewähren sie nur zwei Menschen. Dich, Amanda, haben wir längst als würdig erachtet, doch du warst allein. Und wir wissen, um eine neue Rasse zu gründen, brauchtest du einen Mann an deiner Seite. Nun ist es Zeit zu gehen.“
Vor ihrem inneren Auge sah Amanda, wie das Schloss zersprang. Das Tor zum Garten Eden sich öffnete. Sie blickte Evan fragend an, der wortlos nickte. Und während der Wächter sie in eine neue Heimat führte, flüsterten beide leise: „Genesis!“

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